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News und Infos zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft Nürburgring.

Beitrag eines Users aus dem 20832.com Forum

Beitragvon Andreas Schwarz » 26. Mai 2009, 12:36

Anbei ein Artikel von Klaus Hormes aus dem Forum 20.832, welcher für sich selbst spricht. Ich hoffe Klaus hat nichts dagegen, dass ich seine geschätzte Meinung hier mal exemplarisch wiedergebe.

Hallo Freunde des sinnlosen Imkreisfahrens.

Meinen Namen wird kaum jemand von Euch kennen, aber immerhin habe ich nun seit 1994 mein dreizehntes 24h-Rennen absolviert, eines davon in Dubai auf einem Cup-Clio.
Die restlichen zwölf auf dem Nürburgring teilen sich wie folgt auf: 6 x Citroen AX, 1 x Ford Escort RS 2000, 1 x Citroen ZX 2.0 und 4 x Audi A3 1.8 Turbo. Vom vorletzten Platz in der Gesamtwertung bis zum Klassensieg haben wir alles erlebt.

Die aktuellen Entwicklungen sowohl am Nürburgring selbst, als auch beim 24h-Rennen nötigen mich dazu nach all den Jahren auch mal einen kleinen Kommentar zum heutigen Stand der Dinge abzugeben.

Wir waren eigentlich immer eines der kleinen Privatteams, die sich quasi den Motorsport vom Mund abgespart haben. Sicherlich gab es hin und wieder mal einen Sponsor, der mal `nen Tausender locker gemacht hat, das war aber eher die Ausnahme als die Regel.
Dennoch haben wir es immer noch relativ gut finanziert bekommen.

Im ersten 24h-Rennen 1994 mit dem AX Sport kostete das Startgeld 1500,-- DM, der Sprit rund 800,-- DM, 12 gebrauchte Formel 3-Vorderreifen zusammen 480,-- DM. Zählt man noch 320,-- DM für Bremsbeläge und ungefähr 250,-- DM für Fressalien hinzu, summierte sich der Einsatz auf nicht mal 3500,-- DM. Mit Revision von Motor und Getriebe waren es keine 5000,-- DM.
Der Fahrzeugwert war im Falle eines Totoalverlustes auf 9000,-- DM taxiert.

Diese Kostensituation gestattete es uns, das Rennen nur zu zweit (!) zu bestreiten. Im Ergebnis waren wir 4. von 12. Da war die Welt noch in Ordnung.

Wenn heute der ADAC-Sportchef -ohne rot zu werden- behauptet "Wir halten den Motorsport bezahlbar", so kann ich darüber nur lachen.

Wer heute im Starterfeld einigermaßen mitschwimmen möchte, ohne gleich Kanonenfutter oder Klassenfüller zu sein, muss ein entsprechendes Automobil in die Startaufstellung schieben. In unserem Fall ist das seit vier Jahren ein Audi A3 1.8 Turbo, bei dem rund 300 Pferdchen an der Vorderachse zerren (Klasse SP3T). Die Rundenzeiten liegen mit knapp unter 10 Minuten etwa im Mittelfeld.

Ein solches Auto gibt sich aber nun mal nicht mehr mit gebrauchten 13-Zöllern für 40,-- DM zufrieden, sondern verlangt nach neuen 18-Zöllern für 250,-- €. Das macht über den dicken Daumen schon mehr als 6000,-- € nur für Gummi.

Die Entwicklung des Startgelds ist hinlänglich bekannt und die Reglementänderung ist auch prima geeignet, uns unnötig Zusatzkohle aus der Tasche zu ziehen.

Wegen dem Air-Restrictor waren teure Änderungen am Lader und Prüfstandsläufe nötig und als weiteren Gimmik durften wir für weitere 1000,-- € einen Datenlogger anschaffen. Alles Dinge, die die Welt nicht braucht.

Damals im Citroen AX habe ich die Jungs im Cup-Clio beneidet. Heute donnern wir an dem einzigen Clio im Feld vorbei und er tut mir fast ein bischen leid.

Im AX hatte ich trotz enormen Geschwindigkeitsunterschieds für einen Bruchteil des Geldes den gleichen Fahrspaß wie im A3 und die Zuschauer an der Strecke haben uns zugejubelt und angefeuert. Wir hatten niemals das Gefühl von den Zuschauern nicht angenommen zu werden - ganz im Gegenteil!

Natürlich braucht das 24h-Rennen seine Favoriten und Top-Teams, aber nicht nur für mich sind die wahren Helden die Jungs und Mädels in den Nuckelpinnen, die die Nacht mit oder ohne Blessuren überlebt haben und Richtung Zielfahne kullern. Aus eigener Erfahrung kann ich behaupten, dass es sehr viel einfacher ist, mit einem überlegenen Auto zu überholen als mit einem unterlegenen Auto überholt zu werden.

Für mich stellt es sich momentan so dar, dass man lieber ein halbvolles Starterfeld in Kauf nimmt, als die kleinen Klassen wieder zuzulassen. Der ADAC will die Veranstaltung mit aller Macht aufwerten und für die Werke attraktiv machen. Die jedoch werden schon bald das Interesse verlieren und dann sind wir wieder da, wo wir schon mal waren und es keine dreistellige Startnummer gibt. Ob die vergraulten Amateure dann aber wieder Lust verspüren die Nummer zu retten vermag ich nicht vorauszusagen.

24h Nürburgring ist nicht 24h Le Mans und es wird es auch nicht werden.

Betrachtet man die Entwicklungen am Rande der Rennstrecke, könnte einem glatt die Galle hoch kommen.

Der Größenwahn rund um den "Erlebnis-Boulevard" scheint grenzenlos und es deuten sich -vorsichtig ausgedrückt- Machenschaften an, die man landläufig als "Kölschen Knüngel" bezeichnet. Für die hohe Politik am Ring habe ich mich nie interessiert, aber derzeit ist man schon gezwungen sich damit zu beschäftigen.

Apropos Politik: Die offizielle Zuschauerzahl von 235000 Zuschauern soll wohl die Richtigkeit der Marschrichtung des Veranstalters unterstreichen. Wenn diese Zahl so stimmen soll, müssen die alle ganz schön eng beieinander gestanden haben. Zwischen der offiziellen und der gefühlten Zahl klafft nicht nur bei mir ein gewaltiges Delta.

Oftmals sind es die kleinen Dinge des Lebens, die einem die Freude an einem solchen Wochenende vermiesen können. So kostete der Stellplatz von rund 10 Quadratmetern für mein VW-Bus Womo auf dem Parkplatz B2 stolze 178,-- € (!) incl. Strom. Doch damit nicht genug: 20,-- € zusätzlich wurden mir vom ADAC für "Müllgebühren" abgeknöpft. Und jetzt kommt`s: Um den Gesamtpreis nicht über 200,-- € treiben zu müssen, hat man hier auf die Aufstellung von Toiletten und Duschen verzichtet!

Sorry, aber das ist eine Unverschämtheit. Für 19,80 € pro Quadratmeter hätte ich das Stück Wiese wahrscheinlich mal kaufen können.

Neuerdings kann man wohl auf dem gesamten Gelände der Nürburgring-GmbH nicht mal mehr `ne Pommes gegen Bargeld kaufen. Zum Beispiel an den Ständen oder im "Kesselchen" kann man offenbar nur noch mit einer "Nürburgring-Card" bezahlen. So kann die GmbH jederzeit sehen, wer wann wo wieviel Umsatz gemacht hat. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt....

Wenn mein Bargeld nicht mehr gut genug ist, muss ich eben zu Hause bleiben oder meine Gummi-Schnuller an der Tanke kaufen.

Ein viel diskutierter Knaller war ja der Ausschluß der Youngtimer mit dem Egon`s 500km-Rennen.

Letztlich lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit der Streit auf eine persönliche Auseinandersetzung zweier Persönlichkeiten zurückführen. Hier wird mit Gewalt alles das zerstört, was in Jahren und Jahrzehnten von Egon Meurers & Co. mühevoll aufgebaut wurde. Für mich ein weiterer Grund dieser Veranstaltung im kommenden Jahr fernzubleiben.

Nun möchte ich die Veranstaltung nicht schlechter machen, als sie war. Es gab auch einiges, was mir sehr gut gefallen hat. Vor allem fand ich die Disziplin auf der Strecke in diesem Jahr überragend.

Die Zurückhaltung und Fairness der schnellen Autos: Top!
Das Fahrkönnen in den langsameren Autos: Top!
Die Streckenposten: Top!
Der Umgang miteinander im Fahrerlager: sehr gelassen und entspannt!

Ein tolles Highlight war sicher auch am Anfang der Kampf zwischen Ford GT und Manthey-Porsche. Hut ab!

Natürlich gibt es immer wieder auch Ausnahmen, aber die konnte ich wirklich an einer Hand abzählen.

Auch unser persönliches Rennergebnis mit Rang 46 und 6. der Klasse SP3T geht völlig in Ordnung.

Angesichts einiger kleinen technischen Probleme (kaum Ladedruck, Aussetzer, Vibrationen) und der übermächtigen Konkurrenz war einfach nicht mehr zu holen. Mannschaft und Fahrer haben fehlerfrei gearbeitet und wir können alle auf unsere Leistung stolz sein.

Fazit:

Die 38. Ausgabe 2010 wird ohne mich stattfinden, weil ich die Kostenexplosion aufgrund der Rahmenbedingungen nicht mehr tragen will. Es ist halt wie in der freien Wirtschaft. Angebot und Nachfrage regulieren den Preis. Solange der ADAC ausreichend Starter hat, wird er nicht zurückrudern und die kleineren Teams fallen hinten runter.

Ob das angepeilte Konzept - auch angesichts der Wirtschaftskrise - langfristig aufgehen wird, muss die Zeit zeigen. Ich habe meine Zweifel und werde mich - wenn überhaupt - wieder der Classic Trophy zuwenden, nicht zuletzt weil sie dem ADAC ein Dorn im Auge ist.

Just my opinion.

Klaus Hormes


Quelle
Platz 100 beim 39. ADAC Zurich 24h-Rennen :arrow: KLASSEN-SIEGER :champ
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